Richtfest !

Veröffentlicht am 06.07.2016 in Kommunalpolitik

Kremmen hat ein Stück Geschichte geschrieben ! Heute, am 6.7.16 wurde Richtfest gefeiert! Die 9 Häuser, in denen zunächst Flüchtlinge, nach spätestens 5 Jahren jedermann/frau zu bezahlbaren Mieten wohnen kann, sind so gut wie fertig. In nur 3 Jahren wird knapp die Hälfte des 3 Millionen-Kredites für den Bau, dank der hervorragenden Verhandlungsweise des Bürgermeisters Klaus Jürgen Sasse (SPD), abgezahlt sein. Das wünscht sich wohl auch jeder private Investor. In ihren Reden dankten der Landrat und der Bürgermeister den zahlreich erschienenen Gästen für ihr Kommen, vor allem aber der Flüchtlingsinitiative und den vielen Helfern in der Verwaltung für ihr Engagement !

Rede des Bürgermeisters zum Richtfest

Sehr geehrter Herr Landrat Weskamp,

sehr geehrter Herr Dezernent Rink,

lieber Thomas Günther,

sehr geehrte Bürger und Bürgerinnen der Stadt Kremmen,

sehr geehrte Gäste,

 

zu aller erst möchte ich mich bei den Bauarbeitern und dem Generalauftragnehmer bedanken, die hier eine tolle Arbeit leisten und den vorgesehenen Termin zum Richtfest eingehalten haben.

Und wenn wir die letzten Ausschreibungen noch tätigen, bin ich ganz optimistisch, dass Ende August die ersten Wohnungen bezogen werden können.

Vor einem Jahr wäre allein der Gedanke, dass wir hier heute stehen und das Richtfest für     9 frisch gebaute Häuser in Kremmen begehen werden, blanke Utopie gewesen.

 

 

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Doch dann kam der Spätsommer 2015. Die Welt schaute mit Grauen auf die schrecklichen Szenen die sich im Mittelmeer abspielten. Zigtausende Menschen, zumeist  aus Syrien, kehrten aus purer Verzweiflung, aus Angst vor Terror und Krieg ihrer Heimat den Rücken und baten in Deutschland um Hilfe und Aufnahme. Die deutsche Bundesregierung  rief ihre Bürger dazu auf, den Menschen zu helfen. Diese Forderung stellte den Landkreis Oberhavel und somit auch die Stadt Kremmen vor völlig neuen Aufgaben. Der Landkreis hatte kurzerhand die Erntehelferunterkunft des Spargelhofes in Kremmen angemietet. 93 Flüchtlinge, die Schrecklichstes erlebt, ja überlebt hatten, konnten nun hier ihren langen Weg der Flucht beenden.

Meine Mitarbeiter und ich verstanden, dass es unsere humanitäre Pflicht ist, diesen Menschen in ihrer extremen Notsituation zu helfen. Für die Chance auf ein sicheres und auch besseres Leben, das für uns so selbstverständlich ist, hatten die Flüchtlinge alles riskiert. Nicht nur das eigene Leben, verließen doch viele ihre Heimat, ihre Familie, ihren Sprach- und Kulturraum. Um den Verlust zu lindern und einen Neustart zu erleichtern, standen in ganz Oberhavel Menschen auf, organisierten sich in Willkommensinitiativen und wollten einfach nur helfen. Bürger aus allen Schichten begannen Brücken zwischen den Kulturen zu bauen, um den traumatisierten Neuankömmlingen den Start in ein sicheres aber auch anderes Leben zu ebnen. Auch die Kremmener Willkommensinitiative „Hilfe mit Plan“ stellte sich dieser Herausforderung“.

In den Verwaltungen des Landkreises war die Arbeitsbelastung für die Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen in den ersten Wochen und Monaten enorm angewachsen und auch hier gaben alle ihr Bestes, auch wenn hin und wieder die Grenzen des Machbaren erreicht waren. Stets blieben die Mitarbeiter des Landkreises freundlich, nahmen die Unterstützung durch die Ehrenamtler positiv auf und halfen konstruktiv die Lebensumstände der Flüchtlinge zu verbessern.

Ich denke, es ist auch in ihrem Sinne Herr Landrat Weskamp, wenn ich Ihnen Allen, die egal in welcher Form Anteil am Gelingen der Aufnahme und Unterbringung der Geflüchteten hatten, in unser aller Namen meinen tiefsten Respekt und dankbare Anerkennung  ausspreche.

Danken möchte ich auch den Mitarbeitern und Mitarbeiterinnen meiner Verwaltung, die oft mehr als nur ihren Job gemacht haben, um nicht nur dieses Projekt Wirklichkeit werden zu lassen.

Heute stehen wir hier und sehen das Ergebnis von Hartnäckigkeit und zielgerichtetem Handeln. Die Stadt Kremmen hat mit Weitblick zum Wohl ihrer Bürger dieses Bauvorhaben in Angriff genommen und zielstrebig in kürzester Zeit umgesetzt. Als im März dieses Jahres die Balkanrouten geschlossen wurden, rissen die Flüchtlingsströme urplötzlich ab. Da weder Sie noch ich im Besitz einer Glaskugel sind, die uns die Zukunft deutet, wissen wir nicht, wie sich diese spezielle Situation weiter entwickeln wird. Fakt ist aber: die Ursachen der Flucht sind nicht behoben. Daran ändern auch geschlossene Grenzen nichts. In anderen Landkreisen sind Flüchtlinge noch immer in Bauten wie Sport- oder Konzerthallen untergebracht, die ihrem eigentlichen Verwendungszweck somit nicht zur Verfügung stehen.

Fakt ist auch: Wir werden vorbereitet sein, wenn es um die Unterbringung Hilfesuchender gehen wird. Wir werden keine Notlösungen heranziehen müssen. Unsere Kultur- und Sporteinrichtungen standen und stehen den Kremmener Bürgern zu jeder Zeit uneingeschränkt zur Verfügung. Niemand musste sich einschränken oder Gewohnheiten verändern. Ich denke, auch dies ist eine Leistung, die der Anerkennung wert ist.

Heute stehen hier: 9 Häuser!

Gebaut, um zunächst für 240 Menschen eine vorrübergehende Heimat zu sein. Mit Weitblick entschieden wir uns gegen eine Container- oder Barackenlösung, die in keiner Weise Nachhaltigkeit geboten hätte. Stattdessen fanden wir die pragmatischste aller Lösungen und bauten massiv. Diese Häuser werden noch unseren Enkeln und Urenkeln ein Zuhause sein.

9 Häuser! Die in spätestens 4 bis 5 Jahren 36 Wohnungen für den Kremmener Wohnungsmarkt zur Verfügung stehen. Das sind 36 zusätzliche Wohnungen zu je 60m², zu bezahlbaren ortsüblichen Mieten. Wie Sie wissen, wird Kremmen als Wohnort immer beliebter. Dass liegt nicht nur an unserer wunderschönen Umgebung sondern auch an der konsequenten Umsetzung von Infrastrukturmaßnahmen in den letzten Jahren. Kremmen ist für Pendler von und nach Berlin gut zu erreichen. Der Anstieg von Besuchen durch Tagestouristen ist auch ein Beleg dafür. So wird jegliches Bedenken über einen möglichen Leerstand unbegründet sein.   

Im Gegenteil, seit Jahren kämpfte die Stadt Kremmen zusammen mit der Wohnungsbaugesellschaft darum, sozialen Wohnungsbau für ihre Bürger realisieren zu können. Wie ich zugeben muss, nahezu erfolglos. Zu viele Tatsachen sprachen in der Vergangenheit immer wieder dagegen, auf die ich an dieser Stelle gar nicht näher eingehen möchte.

9 Häuser! Mit Fassaden aus insgesamt 5700 Porenbetonsteinen. Das entspricht in etwa der Menge an Steinen, die es galt in den diversen Sitzungen der Stadtverordneten aus dem Weg zu räumen. Kontrovers wurde diskutiert. Was kümmert es Kremmen? Soll doch der Landkreis sehen wo die Menschen unterkommen! Oder die Asylbewerber sollen zurück nach Hause – So oder so ähnlich lauteten die Meinungen einiger Abgeordneter. Die größere Zahl der Abgeordneten stellte sich gegen diese Ignoranz und sah das Potenzial und die Genialität des Projektes. Jahrelang war an sozialen Wohnungsbau nicht zu denken. Zuviel Leerstand in strukturschwachen Gebieten, die Konditionen der Banken absurd, um günstige Mieten anbieten zu können. Erst mit der Flüchtlingskrise, so bitter es ist, bot sich die Chance hier eine Win-Win-Situation zu schaffen.

9 Häuser! Die am Ende mit 237 Türen ausgestattet sein werden. In etwa die Menge an Türen, die meine Mitarbeiter und ich einrennen oder deren Klinken wir putzen mussten, um dieses Projekt letztlich auf den Weg zu bringen.

 9 Häuser! Mit insgesamt 820 Kubikmetern Beton, umgerechnet entspricht dies einem Gewicht von ca. 1435 Tonnen. Während der Planungsphase und mit Beginn des Baus, lastete nicht nur dieses Gewicht auf unseren Schultern, als uns kommunalpolitischer Widerstand entgegen schlug, der sich glücklicherweise nicht zum Sturm erhob sondern sich nur als heiße Luft entpuppte.

9 Häuser! Die 180 Fenster haben werden. 180 Fenster hinter denen es Geborgenheit, Ruhe und Glück geben soll. 180 Fenster hinter denen die Bewohner individuell ihre Kultur bewahren können und sich dennoch mit vielem Neuem auseinander setzen müssen.

Keine Angst, ich werde und kann nicht alle Baumaterialien aufzählen, allein schon um Sie nicht zu langweilen. Was sagt es auch aus, wenn ich Ihnen aufzähle, dass am Ende 2500m² Estrich, 250m² Fliesen und 2200m² Bodenbelag verlegt sein werden? Stand doch von Beginn an der Gedanke, Menschen in akuter Not zu helfen. Zu ihrem und zu unserem Wohle. So werden diese 9 Häuser für Kremmen immer mehr sein, als die Summe ihrer Bauteile.  

Sehr geehrte Damen und Herren, seien Sie mit mir Stolz auf unsere kleine Stadt Kremmen, die ein derartiges Projekt erdacht, geplant, solide finanziert und realisiert hat. Ein Projekt, das Schule machen wird!

Mögen diese 9 Häuser ein Ort sein, wo Glück und Zuversicht beheimatet sind, als ein Zeichen friedvollen Miteinanders unterschiedlicher Herkunft und Kulturen.

Auch darauf dass Kremmen bleibt, was es immer war: unser aller zu Hause.

 

Auf gute Nachbarschaft!

 
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