Rund um die Uhr im Einsatz

Veröffentlicht am 07.12.2010 in Gesundheit

Neues Pflege-Modell

Demenz droht zu einer der größten Pflege-Herausforderung der Zukunft zu werden. In der SPD wird an einem Modell gearbeitet, das Pflegebedürftigen eine 24-Stunden-Betreuung ermöglichen und zugleich für mehr legale Arbeitsplätze und weniger Heimkosten sorgen soll. Ein Blick zum Nachbarn Österreich macht Hoffnung.

Pflegegeld, Eigenanteil der Betroffenen plus staatlicher Zuschuss – so kann eine häusliche Rundum-Pflege funktionieren und auch finanzierbar sein. Das zeigen die ersten Erfahrungen aus Österreich, wo 2007 die rechtliche Grundlage für eine 24-Stunden-Betreuung geschaffen wurde. Dabei hatten die Politiker in Wien vor allem eine Lösung für das Problem der illegalen Beschäftigung aus Ost-Europa im Blick, weniger die soziale Komponente dieses Modells.

Doch gerade die drängt sich mehr denn je auf, denn das Statistische Bundesamt hat alarmierende Zahlen veröffentlicht: Allein in den kommenden 20 Jahren soll die Zahl der Demenzkranken um 50 Prozent steigen. Einer Studie der Universität Bremen zufolge sind zurzeit 1,2 Millionen Menschen in Deutschland betroffen, für 2030 wird ein Anstieg auf 1,8 Millionen und für 2060 sogar auf 2,5 Millionen vorhergesagt.

Das Ende illegaler Beschäftigung

„Wir wollen neue Lösungen für die häusliche Pflege und Versorgung insbesondere demenzkranker Menschen schaffen“, so Armin Lang, Bundesvorsitzender der Arbeitsgemeinschaft der Sozialdemokratinnen und Sozialdemokraten im Gesundheitswesen (ASG). Um das Ziel, Menschen so lange wie möglich in ihrer vertrauten Umgebung zu versorgen, zu erreichen, reiche der Vorschlag der Bundesfamilienministerin Kristina Schröder (CDU) nicht aus, so Lang: „Die alleinige Verlagerung der Verantwortung auf die Frauen im Haushalt ist eine rückwärtsgewandte Politik.“

Nach Ansicht von Lang muss das Ziel sein, durch eine Mischfinanzierung aus Pflegegeld, staatlichem Zuschuss und Eigenleistung der Familien reguläre Betreuungsjobs in den Privathaushalten zu schaffen. Das Problem hunderttausend prekärer Beschäftigungen könnte so angegangen werden und zugleich würden die Sozialkassen bedient. „ Den Ausgaben stehen Einsparungen der Bundesagentur für Arbeit und Einnahmen bei Steuern und Sozialabgaben sowie weniger Heimeinweisungen und damit Einsparungen bei der Hilfe zur Pflege, die die Kommunen leisten müssen, gegenüber“, rechnet Lang vor.

Rundum-Pflege bringt Geld in die Staatskasse

Ein pflegebedürftiger Demenz-Patient kann noch zehn, 15 oder 20 Jahre leben. Doch er braucht eine 24-Stunden-Betreuung. Wer das gerne zu Hause tun möchte, für den bietet das „Pflegezeit-Modell“ von Bundesfamilienministerin Schröder keine Lösung. In Deutschland sind circa zwei Millionen Menschen pflegebedürftig. Für die meisten von ihnen ist eine Fürsorge durch speziell ausgebildete Pfleger gar nicht notwendig, sie benötigen vor allem eine zeitintensive Betreuung.

In Österreich werden die Pflegekräfte mit 800 € bis 1.000 € entlohnt. Das Honorar kommt aus dem Pflegegeld-Topf – zum Teil aufgestockt vom Patienten. Außerdem sieht das Modell vor, dass der Patient der Pflegekraft ein Zimmer sowie kostenlose Verpflegung stellt. „Für viele Familien bietet dieser Ansatz auch einen Weg aus der aus purer Not praktizierten illegalen Pflegeversorgung“, bekräftigt der SPD-Gesundheitsexperte Lang.

 

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